Im Thüringer Regional Regal: Aronia Saft

Landwirt Jens Kahnis betreut seit 2013 etwa 15 Hektar Fläche auf der Aroniabeeren, Erdbeeren, Quitten, Rhabarber, Himbeeren, Brombeeren und jede Menge Streuobst wachsen.

Landwirt Jens Kahnis betreut seit 2013 etwa 15 Hektar Fläche auf der Aroniabeeren, Erdbeeren, Quitten, Rhabarber, Himbeeren, Brombeeren und jede Menge Streuobst wachsen.

Ein Idyll in der Nähe der Heidecksburg

Man betritt eine kleine Idylle. Auf einer Anhöhe, über den Dächern des thüringischen Rudolstadt, weht ein zarter Sommerwind. Tannenwipfel bis weit zum Horizont. Man hört das Summen der Bienen und das Zwitschern der Vögel. Aber auch ein fröhliches Stimmenwirrwarr. Die Zeit der Ernte der Aroniabeeren ist gekommen. In den Heidecksburg Werkstätten, im Fachbereich „Grün“ des Lebenshilfewerks Ilmenau/Rudolstadt e. V., wird die gesunde Superbeere gepflegt und auch geerntet.

Darum kümmert sich das fleißige Team um den Fachbereichsleiter und diplomierten Landwirt Jens Kahnis. Seit 2013 betreut er die etwa 15 Hektar große Fläche, auf der nicht nur die Aroniabeeren prächtig gedeihen, sondern auch Erdbeeren, Quitten, Rhabarber, Himbeeren, Brombeeren und jede Menge Streuobst. Aktuell ist sogar noch ein Bio-Bienenvolk, das Kleinstmengen an Honig produziert, mit auf die idyllische Anhöhe gezogen.

Aroniabeere oder auch Apfelbeere

Auf etwa einem Hektar wächst die Aroniabeere. Ursprünglich im östlichen Nordamerika beheimatet, ist die Aroniabeere oder auch Apfelbeere genannt, mittlerweile zu einem europäischen Gewächs geworden. Aufgrund des hohen Folsäure-, Provitamin-A-, Vitamin-B2-, Vitamin-K- und Vitamin-C-Gehalts zählt die Aroniabeere zum gesunden Superfood. In Polen gilt sie sogar als Heilpflanze. Was einst als Projekt gestartet ist, könnte bei optimaler Ernte etwa fünf bis zehn Tonnen Aroniabeeren in den Erntekorb bringen. Da jedoch jede einzelne Beere per Hand gepflückt wird, fällt der Ertrag bei Weitem geringer aus. „Unter den Voraussetzungen, wie wir jetzt ernten, ist das mit unseren etwa 200 Erntehelfern nicht zu schaffen. Da müssten wir schon im April anfangen, damit wir im August fertig sind“, scherzt Kahnis.

Kleinstmengen aber Bioqualität

Der Aroniastrauch an sich ist eine sehr genügsame Pflanze. Die ältesten Aronia-Sträucher auf der Anhöhe sind bereits 15 Jahre alt und sogar seit 2009 biozertifiziert. Mit Insekten, Ungeziefer oder Pilzen hat der Strauch nicht zu kämpfen. Nur wenn die Beeren reif sind, sollte so schnell wie möglich mit der Ernte begonnen werden, denn unter den Vögeln spricht es sich schnell herum, dass es frische Leckereien an den Sträuchern gibt.

Angebaut werden die Beeren nach den strengen Richtlinien des Bioverbands Gäa e. V.  Die Pflege und die Ernte übernehmen körperlich und auch geistig beeinträchtigte Menschen des Lebenshilfewerks Ilmenau/Rudolstadt e. V. unter der Anleitung von Jens Kahnis. Mit viel Liebe und Hingabe pflegen sie die Sträucher, entfernen Unkräuter, bewässern sie und erwarten jedes Jahr voller Spannung die ersten dunkelroten Beeren. Denn der Erntetag wird zu einem großen Hoffest. Über 200 Helfer der Lebenshilfe pflücken Beere für Beere von den Sträuchern. Etwa eine Tonne pro Jahr bringt die Ernte ein. Je nach den Voraussetzungen des Jahres für das Wachstum der Sträucher und der Geschwindigkeit der fleißigen Erntehelfer:innen.

Es sind Kleinstmengen, die wir ernten, aber der Aufwand ist für ein regionales Produkt in bester Bioqualität absolut vertretbar.

Jens Kahnis

Nachhaltig und regional

Verarbeitet werden die Beeren nicht im Lebenshilfewerk bei Rudolstadt, sondern in der Rhön bei der BioContor Elm GmbH. Dort werden die frischen Beeren gepresst. 100 Kilogramm Beeren ergeben etwa 60 Liter Aronia Direktsaft. Dieser landet aber nicht pur in der Flasche, der Geschmack wäre viel zu bitter. Gemischt mit Bioapfelsaft der BioContor Elm GmbH wird er gaumenfreundlich in Flaschen abgefüllt.

Die gehen direkt wieder zurück auf die idyllische Anhöhe bei Rudolstadt, um dort von Jens Kahnis Team liebevoll per Hand etikettiert zu werden.  „Wir versuchen so viele Arbeitsschritte wie möglich in der Region zu halten. Von der Produktion bis zur Verarbeitung. Das Design der Etiketten entstand im Rahmen eines Projektes des Vereins Thüringer Ökoherz e. V. und gedruckt werden sie in einer Weimarer Druckerei“, so Jens Kahnis stolz. Auch die Nachhaltigkeit bildet einen wichtigen Faktor. So sind alle Flaschen Mehrweg und wandern direkt wieder in den Produktionskreislauf. Auch für die nachhaltige Düngung der Pflanzen gibt es schon Pläne. So sollen bald Hühner auf das Gelände der Lebenshilfe ziehen.

Dieser Beitrag ist im Rahmen einer Kooperation mit Anja Werner, Blog anjiko entstanden und konnte im Rahmen einer Förderung des Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft umgesetzt werden.

Im Thüringer Regional Regal: Heimathafen

Jan Schlennstedt erkannte schon früh seine Leidenschaft für das Bierbrauen. Das erste eigene Bier unter dem Label Heimathafen braute er 2017.


Die Erfurter Braumanufaktur Heimathafen

Um gutes Bier herzustellen, bedarf es ausgesuchter Zutaten, Passion und handwerklicher Sorgfalt. Genau das macht das Bier der Erfurter Braumanufaktur Heimathafen zu etwas ganz Besonderem. Die glänzenden Tanks stehen in der Braumanufaktur Heimathafen auf dem Gelände des alten Erfurter Güterbahnhofs. Es duftet nach Maische. Ab und an hört man das zarte Klirren von Flaschen beim Einsortieren in die Kästen. Das fröhliche stilisierte Motiv der Hopfenblüte findet man immer wieder an sorgfältig ausgewählten Stellen in der Manufaktur. Man spürt regelrecht mit wieviel Hingabe, Kreativität und Freude hier gearbeitet wird.

Gründer und Braumeister Jan Schlennstedt erkannte schon früh seine Leidenschaft für das Bierbrauen. Bereits kurz nach der Schule zog es den gebürtigen Erfurter nach Hannover, wo er seine Ausbildung zum Bierbrauer absolvierte. 

Nach Zwischenstopps in Pfungstadt und München, kehrte er als Braumeister mit seiner Familie in seinen Heimatort zurück und gründete 2016 mit „Heimathafen“, seine eigene Braumanufaktur im Zughafen.

Regionalität steht im Mittelpunkt der Braukunst

Das erste eigene Bier wurde Anfang 2017 gebraut und bereits im April zeigten sich erste finanzielle Erfolge. Seit dem gibt es drei feste Biersorten und regelmäßig besondere saisonale Abfüllungen. Dabei steht für Jan das Handwerk und die Regionalität im Mittelpunkt seiner Braukunst. Sogar beim Ausbau seiner Braumanufaktur setzte Jan auf regionale Unterstützung. Familie, Freunde und Handwerker:innen aus der Umgebung verwandelten die alte Lagerhalle in eine waschechte Brauerei. Alle Zutaten für seine Biere wählt Jan mit Bedacht.

Die Biobraugerste bekommt er von einem Bauer aus Oberheldrungen und den Hopfen vom „Elbe-Saale-Hopfen-Verband“. Die Gerste wird in der Rhön vermelzt. Die Glasflaschen kommen aus Großbreitenbach, die Kronenkorken aus Sonneberg und die Etiketten und das Design aus Erfurt. Aus 500 Litern Bier wurden schnell 1000 Liter pro Charge. Vierzehn Lagertanks mit jeweils 1000 Litern stehen aktuell im Kühlhaus. Das Bier wird komplett in der Manufaktur in Erfurt hergestellt.

Handwerklich und authentisch

Vom Brauen, Lagern, Abfüllen bis zum Etikettieren. Jeder einzelne Schritt erfolgt per Hand. Mindestens fünf- bis sechsmal wird jede einzelne Flasche angefasst, bis sie nach etwa fünf bis sechs Wochen die Manufaktur verlässt. Eben diese Liebe zum Detail und die regionale Zusammenarbeit sind für Jan wichtig und fast schon zur Lebensphilosophie geworden. Gerade wenn man längerfristig denkt. Mit den Menschen in der eigenen Region zusammenzuarbeiten und sich gegenseitig zu unterstützen ist für ihn ein großes Glück, wie er selber sagt. Man kennt sich persönlich, hat einen direkten Ansprechpartner in der Nähe und kurze Wege. „Wenn man den Bauern zum Beispiel länger kennt, ist gleich mehr Vertrauen da. Ich kenne den Bauern für unsere Gerste schon seit dem ich ein kleiner Junge war. Manchmal fahren wir einfach mal mit dem Fahrrad hin und schauen uns das Feld an. Oder wenn man mal was braucht, fährt man mal schnell mit dem Zug zu den Leuten.

Sensibilisierung für handwerkliche regionale Produkte

Auch wenn es mal Probleme gibt, hat man einen direkten Ansprechpartner, der einem schnell helfen kann“, so Jan. Für ihn ist die Kommunikation von Auge zu Auge ein grundlegender Bestandteil von guter und längerfristiger Zusammenarbeit. Und ganz nebenbei auch noch eine sehr nachhaltige Art und Weise. Genauso verhält es sich mit den regionalen Produkten. Durch die Globalisierung kann man die Produkte der großen Unternehmen fast überall auf der Welt kaufen. Die regionalen Produkte bleiben oft nur im engsten Umkreis, werden daher weniger wahrgenommen und erreichen nur einen Bruchteil der potentiellen Kunden.

„Deshalb ist es wichtig, die Menschen gerade für regionale Produkte zu sensibilisieren.“

Jan Schlennstedt, Heimathafen

Und das funktioniert mit dem Thüringer Regional Regal, weil es über die Grenzen der eigenen unmittelbaren Region hinausgeht und die Produkte auch sehr gut in diese Läden passen. Die Menschen die dort einkaufen, sind sich bewusst, dass es dort regionale und handgemachte Produkte gibt“, so Jan. Auch im Privaten leben Jan und seine Familie diese Philosophie. „Wenn wir den Leuten sagen, esst und trinkt regional, ist das nicht nur eine Floskel, denn wir selbst eben das genau so und helfen mit, diesen kleinen Mikrokosmos am Leben zu halten.“ Denn nur so kann auch die Region gestärkt werden. Mit dem Kauf eines regionalen Produkts unterstützt man nicht nur allein den regionalen Hersteller, sondern auch dessen Mitarbeiter, der seinen Job behält, Geld verdient, welches er auch wieder in der Region ausgibt und hält durch diesen Kreislauf die Region am Leben.

Dieser Beitrag ist im Rahmen einer Kooperation mit Anja Werner, Blog anjiko entstanden und konnte im Rahmen einer Förderung des Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft umgesetzt werden.

Im Thüringer Regional Regal: Röttelmisch Hof23

Alexander Pilling und Susanne Mohr produzieren Obstweine und Säfte jeglicher Art im Röttelmisch Hof 23

Alexander Pilling und Susanne Mohr produzieren Obstweine und Säfte jeglicher Art im Röttelmisch Hof 23

Röttelmisch im Reinstädter Grund

Das kleine Örtchen Röttelmisch im Reinstädter Grund bettet sich gemütlich ein in die weiten Felder und kleinen Streuobstwiesen und gibt umrandet von Wäldern, sogar den Blick auf die Leuchtenburg frei. Die Feldlerchen zwitschern in der Luft, ein sanfter Sommerwind bringt die Ähren zum Tanzen und eine angenehme Ruhe umgibt die Gegend. Man fühlt sich sofort entspannt und geerdet. Genau in diesem Örtchen liegt der Hof 23, mit Obstweinkellerei und Ferienwohnungen, von Alexander Pilling und Susanne Mohr.

Im Hof ihres alten denkmalgeschützten Bauernhauses spendet ein großer Baum Schatten.

Im Hof ihres alten denkmalgeschützten Bauernhauses spendet ein großer Baum Schatten.

Von der Oma abgeschaut

In der kleinen windgeschützen Sitzecke, stehen auf dem alten Holztisch hübsche, mit Erdbeersaft gefüllte Gläser bereit. Die perfekte Mischung an diesem heißen Sommertag. „Den Erdbeersaft haben wir ganz frisch abgefüllt“, erzählt Alexander Pilling. „In den Erntemonaten kann aber auch jeder, der eigenes Obst hat, sein Obst zu uns zum Pressen bringen und seinen eigenen Saft mit nach Hause nehmen“, so Alexander weiter.

Im September 1990 hat er als Student den Hof gekauft und in den folgenden Jahren von Grund auf denkmalgerecht saniert. Ein nicht gerade einfaches Unterfangen, denn um die Originalsubstanz zurückzubekommen, musste zunächst jede Menge zurückgebaut werden. Denn damals wurde das Wohnen nicht dem Haus angepasst, sondern das Haus dem Wohnen. Als Regionalentwickler für ihn also ein richtiges Herzensprojekt. Dass man aus Obst wunderbare leckere Sachen machen kann, das lernte Alexander bereits in seiner Jugend. Bei seiner Oma, damals Klavierlehrerin, „blubberte zu jeder Jahreszeit etwas unter ihrem Flügel“, erinnert er sich. Als er dann älter war, zeigte sie ihm, wie man Obstweine herstellt.

Inspiriert davon reiste er später in verschiedene Länder, um zu lernen, wie man richtige Qualitätsprodukte herstellen kann. Aus Österreich nahm er Ideen mit nach Thüringen und begann sich mit der Produktion von sortenreinen Apfelweinen zu beschäftigen. Es entwickelte sich eine Initiative, um dem schlechten Ruf des Getränkes entgegenzuwirken und Apfelweine wieder ins rechte Licht zu rücken. Mit diesem Wissen und ganz viel Motivation im Gepäck wurden daraufhin die ersten Pressmaschinen angeschafft und im Laufe der Jahre der Verarbeitungsprozess immer wieder modifiziert und perfektioniert. Die Verarbeitung großer Mengen guter Qualität war jedoch immer wieder ein Kraftakt. Seit drei Jahren ist Alexander nun im Besitz einer neuen Siebwandpresse, mit der nun eine Saftabfüllung mit „Bag in Box“ von 2500 Litern pro Tag und mit hohem Qualitätsstandard möglich ist.

Thüringer Obstweine und Säfte

Alexander und Susanne produzieren Obstweine und Säfte jeglicher Art. Sein Betrieb und einige seiner Flächen sind sogar biozertifiziert. Zu jedem Baum und Strauch auf ihrer idyllischen Streuobstwiese können sie eine Geschichte erzählen. Ihnen ist kein Obst zu abwegig und kein Verarbeitungsprozess zu umständlich. Sie verwenden nicht nur die Äpfel ihrer Streuobstwiesen für sortenreine Apfelweine und -säfte, sondern auch das Obst, was die Saison gerade bietet. Besonders stolz sind sie auf ihren limitierten Süßkirschenwein, den bittersüßen Ebereschenwein und den reinen Quittensaft. Aber auch als Dienstleister für Imker sind sie ein beliebter Verarbeiter, denn aus deren Honig stellen sie etwa 1500 Liter Honigwein im Jahr her.

Alexander und Susanne haben eine ganz besondere Verbindung zu Obst und blicken tiefer. Deshalb beschäftigen sie sich auch mit der Pomologie, der Lehre derArten und Sorten von Obst.

Alexander und Susanne haben eine ganz besondere Verbindung zu Obst und blicken tiefer. Deshalb beschäftigen sie sich auch mit der Pomologie, der Lehre der Arten und Sorten von Obst.

Denn im Laufe der Jahre und in Folge des Klimawandels haben sich für bestimmte Obstsorten die Voraussetzungen geändert und teilweise verschlechtert. Sie möchten nicht nur alte Sorten erhalten, sondern auch andere und ehemals für die Gegebenheiten der Gegend untypische Sorten kultivieren. Nur so kann auf Dauer der regionale Anbau von Obst erhalten werden. Als Regionalplaner hat sich Alexander auch viel mit den Tücken, aber auch den Chancen der Regionalvermarktung beschäftigt. „Es ist wichtig und ein gemeinsames Ziel, in den nächsten Jahren eine spürbare Regionalvermarktung in Thüringen hinzubekommen. Das heißt, dass es mehr Betriebe gibt, die vermarktbare Produkte herstellen. Dazu gehört auch eine Optimierung der Logistik, um diese Produkte überall in Thüringen zu verteilen. Auch die Kundschaft, die regionale Produkte zu schätzen weiß und für die Produkte brennt, ist ein wichtiger Aspekt, der zum Erfolg beträgt“ , so Alexander Pilling.

Dieser Beitrag ist im Rahmen einer Kooperation mit Anja Werner, Blog anjiko entstanden und konnte im Rahmen einer Förderung des Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft umgesetzt werden.

Im Thüringer Regional Regal: Kulinarische Zeitreisen

Michael Schüler von Kulinarische Zeitreisen

Alles begann 2019, als Michael Schüler die Manufaktur von Margitta Braun übernahm. In seiner Manufaktur in Grammetal produziert er seither die Produkte nach historischen Vorlagen.

Kulinarische Zeitreisen

Wenn der Lichtschein einer Leselampe ein Buch trifft und der Leser sich von nichts und niemandem ablenken lässt, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es Michael Schüler ist, der an neuen Produkten tüftelt. Das bedeutet lange Nächte der Recherche, tiefversunken in historische Bücher in der ehrwürdigen Anna Amalia Bibliothek in Weimar und fesselnde und spannende Geschichten über historische Persönlichkeiten. Und dabei immer wieder die Herausforderung, die alten Handschriften und Begriffe zu entziffern, denn Worte wie Latwerge, Galant, Zimmet, Bischofs-Essenz und Hypocras kennt heute kaum noch jemand. Doch genau das treibt Michael Schüler von den Kulinarischen Zeitreisen an, wenn er wieder auf der Suche nach historischen Rezepten ist, um seine geschichtsträchtigen Produkte zu entwickeln.

Historische Urrezepte und besondere Verarbeitungsmethoden

In seiner Manufaktur in seinem Elternhaus in Grammetal, produziert er Produkte wie Fruchtaufstriche, Salze, Elixiere und Tees aus regionalen Zutaten. Es sind keinesfalls nur einfache Fruchtaufstriche und duftende Gaumenschmeichler. Seine Produkte sind viel mehr. Denn sie alle haben eine individuelle Geschichte und sollen uns so mit unserer Vergangenheit verbinden. Bei deren Genuss sollen wir eintauchen in eine längst vergangene Zeit, in der wunderbare Urrezepte und besondere Verarbeitungsmethoden entstanden sind.

Alles begann im Jahr 2019, als Michael Schüler die Manufaktur, die Margitta Braun 2003 aus der Initiative Impulse e. V. gegründet hat, übernahm. Kennengelernt haben sich die beiden bei den Genusstagen in Holzdorf bei Weimar, bei denen Michael bereits regionale Thüringer Produkte präsentierte. Daraus entstand eine Zusammenarbeit und als es 2019 um die Übergabe der Manufaktur ging, war für Michael klar, dass er die Kulinarischen Zeitreisen übernehmen und weiterführen möchte. Und da steht er jetzt in seiner Manufaktur am großen Edelstahltopf und erzählt mit Begeisterung von alten Obstsorten, Kräutern und deren Wirkungen. Diese Begeisterung findet sich auch in seinen zahlreichen Produkten wieder. 160 sind es aktuell, 200 sind noch in der Entwicklung. Und hinter jedem einzelnen Produkt steckt eine Geschichte. Welche Kräuter hat man wie angewandt? Was waren die Lieblingsfrüchte der Dichter und Denker?

Luthers Apfel und Goethes Erdbeeren

Was hat zum Beispiel Luther geliebt? Blickt man auf Luthers Zitat, „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“, scheint die Antwort ganz klar. Den Apfel. So entstand der Fruchtaufstrich „Luthers gewürzte Äpfel“ mit Zutaten wie Berberitzen, Ingwer und Muskat.

Auch zum Fruchtaufstrich „Goethe Gartenhaus Erdbeere & Lavendel“ gibt es eine Geschichte. Aus Schriften weiß man, dass Goethe seinen Gästen in seinem Gartenhaus gern frische Erdbeeren aus seinem Garten serviert und als besondere Note Lavendel darüber gestreut hat.

Aber auch zu Luthers Abend Tee gibt es eine überlieferte Geschichte. Martin Luthers Gemahlin Katharina wusste, dass er ein intensives, kraftvolles, aber auch aufreibendes Leben führte, was an seiner Gesundheit nicht spurlos vorbeiging und er häufig nachts schlaflos im Bett lag. Deshalb brühte sie ihm immer wieder kurz vor dem Schlafengehen einen beruhigenden Kräutertee auf und verhalf ihm so zu einem erholsamen Schlaf. Es sind nicht nur Geschichten wie diese, die Michaels Produkte zu etwas ganz Besonderen machen, sondern auch die Zutaten.

Aus der Region

Denn die stammen zum Großteil aus der Region. Die Beeren und Früchte sogar aus seinem eigenen Garten. Die Pflege, die Verarbeitung und der zeitliche Aufwand sind ihm nicht fremd, denn seine Großeltern arbeiteten bereits in der Landwirtschaft und er musste häufig mithelfen. So stehen er und sein Team besonders in den Sommermonaten schon mal bis weit nach Mitternacht in der Manufaktur, schnippeln, kochen ein und füllen ab, sodass man ab und zu den Duft der Fruchtaufstriche sogar bis weit ins Dorf riechen kann. Dabei werden alle Produkte von Hand verarbeitet. Auch die Etiketten klebt er mit seiner fast vierjährigen Tochter gemeinsam auf, die auch schon die ein oder andere Geschichte über die alten Dichter und Denker kennt. Und das ist genau das, was Michael möchte und was ihn antreibt. Altes Wissen erhalten und weitergeben. Alte Verarbeitungsweisen, Rezepte und Anwendungsmöglichkeiten vor der Vergessenheit retten. Und wie geht das besser, als über leckere Gaumenfreuden.

Dieser Beitrag ist im Rahmen einer Kooperation mit Anja Werner, Blog anjiko entstanden und konnte im Rahmen einer Förderung des Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft umgesetzt werden.

Im Thüringer Regional Regal: Wildrausch

Chrissie Rauch von Wildrausch



„Das ist doch Unkraut, hört Christine Rauch häufiger. Dabei sind Ihre wilden Produkte alles andere als unbrauchbares Grünzeug. WILDRAUSCH- das sind gesunde und naturverbundene Produkte aus der Region.

Erzeuger:in Christine Rauch von WILDRAUSCH

Wildrausch ist nicht nur eine Marke für Wildpflanzenprodukte, sondern in erster Linie Christine Rauch als Person. Christine ist Fachberaterin für Waldpflanzen, ausgebildete Natur-Resilienz-Trainerin und kann theoretisch und praktisch einen essbaren Wildpflanzenpark gestalten.


Produkte mit einem höchstmöglichen Anteil an regionalen Zutaten

WILDRAUSCH ist eine Genussalternative. Die Produkte werden zum höchst möglichen Anteil mit regionalen Zutaten hergestellt. Beispielsweise das Brunnenkresse-Pesto ist aus der letzten erhaltenen denkmalgeschützten Brunnenkresse Erfurts. Nach alter Tradition wird hier die Brunnenkresse noch auf den Knien geerntet und das Wasserbecken, wird durch eine Silberquelle gespeist. Die Mineralien des Wassers gehen in die Brunnenkresse über.

Brunnenkressepesto von WILDRAUSCH
Brunnenkressepesto von WILDRAUSCH


Wildplanzenprodukte sind vor allem eins: gesund

Wildpflanzen wie die Brunnenkresse enthalten sehr viele Mineralien, Vitamine und Spurenelemente. Brunnenkresse im Speziellen enthält gute Senfölglykoside. Das macht die gewisse Schärfe aus, so dass auch im WILDRAUSCH Pesto auf Zwiebeln und Knoblauch verzichtet werden konnte. 

WILDRAUSCH steht für neue Geschmackskombinationen. Die Produkte sind im Rohkostverfahren hergestellt und werden nicht über 42 Grad erhitzt, um möglichst viele Vitamine, Enzyme und Mineralstoffe zu erhalten. Alle Produkte von WILDRAUSCH sind handgemacht, vegan, gluten- und lactosefrei und frei von industriellem Zucker. Gesüßt wird, wenn überhaupt ausschließlich mit Fruchtzucker, Birkenzucker oder Trockenfrüchten.


Region und weiteres Sortiment

WILDRAUSCH hat den Unternehmenssitz im Thüringer Becken in der Landeshauptstadt Erfurt. Hier erntet Christine Rauch ihre Zutaten und hier wird auch von Hand produziert. Ihr Rohkostsortiment umfasst mittlerweile schon einige Produkte wie zum Beispiel:

  • Brunnenkresse- und Gierschkräcker
  • Brunnenkressepesto
  • Sirup und Bonbons

eine kleine Inspiration:
Nudeln mit Brunnenkressepesto